Draußen vor der Tür – Wolfgang Borchert

Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will.
(Zu Beginn, auf der Seite mit der Widmung)

 

Draußen vor der Tür – Wolfgang BorchertInformationen
ISBN: 978-3-499-10170-0
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Format: Taschenbuch
Genre: Kriegsliteratur / Lyrik & Dramatik
Seitenzahl: 120 Seiten
Jahr: 1956
Preis: sFr. 11.90

 

Kaufmotivation / Eindruck vor dem Lesen

Auf das Buch wurde ich während einer Fernsehserie aufmerksam und habe es mir bestellt, ohne genau zu wissen, was mich erwartet. Ich habe vor einem Jahr „Aus dem Westen nichts Neues“ gelesen und es war sehr nachhaltig. Seither sehe ich vieles auch mit anderen Augen, wenn zum Beispiel wieder ein Kriegsfilm im Fernseher läuft. Als ich dann von diesem Buch gehört habe, dachte ich, dass das ein Buch ist, das gelesen werden muss, denn genau dieses Thema wird eigentlich totgeschwiegen.

Handlung, Schreibstil und Charakteren

Nach einer Weile nach Kriegsende, kehrt der 25ig-jährige deutsche Soldat Beckmann aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Er hat nichts und was er vor dem Krieg besessen hatte, ist jetzt auch verloren. Seine Frau hat er mit einem anderen Mann vorgefunden, sein Seelenfrieden gibt es nicht mehr. Er steht „draussen vor der Tür“. Die Erinnerungen und die Menschen, bei welchen er die Verantwortung hatte, und welche jetzt teilweise nicht mehr am Leben sind, kann er nicht vergessen. Er findet sich nur schwer wieder im „normalen Leben“ ein und die Menschen verstehen ihn nicht – sie leben einfach weiter und halten ihn für verrückt.

Das Buch ist zu Beginn wie ein Theaterstück geschrieben und enthält sehr wenige Beschreibungen, sodass fast alles in Form von Kommunikationen geschrieben wurde. Dies ändert sich dann etwa ab Buchmitte und dann kommen viele kurze Geschichten.

Meine Meinung

Wie ich bereits in dem Abschnitt „Kaufmotivation“ erwähnt habe, sollte man dieses Buch lesen, da es sich mit einem Thema befasst, welches fast nirgends aufgezeigt wird. Wir sehen zwar häufig sehr gute ZDF-Zweiteiler über den Zweiten Weltkrieg, aber auch hier endet die Hauptgeschichte im Jahr 1945 und dann springt man vorwärts zu dem Teil, wo alle schon alt sind, oder es gibt so grosse Sprünge in der Geschichte, dass man einfach nicht wirklich mitbekommt, wie es den Menschen nach dem Krieg und vorallem auch den Heimkehrern ergangen ist.
Man stelle sich vor, alle diese Soldaten, teilweise kaum erwachsen, welche in den Krieg mussten, von allen motiviert wurden und auch gar keine andere Wahl hatten und dann, Jahre später, und nach all dem was sie gesehen und erlebt haben, kommen sie zurück, haben alles verloren, können die Gedanken nicht mehr vom Krieg weglenken und werden plötzlich von denen ignoriert, für verrückt gehalten, oder gar verachtet, welche sie für den Krieg motiviert haben. Das kann man sich gar nicht vorstellen und deshalb finde ich, sollte gerade dieses Buch gelesen werden.

Fazit

Ich hatte zu Beginn etwas Mühe, mich in die Geschichte einzulesen und habe das Buch dann immer wieder beiseite gelegt, sodass ich für knapp 120 Seiten länger gebraucht habe, als für die beiden letzten Bücher zusammen. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, aber wenn man dann einpaar Seiten gelesen hat, geht es ganz gut. Man fühlt mit der Hauptcharaktere auf jeden Fall mit und hofft, dass er wieder etwas findet, das seinem Leben Sinn und Freude schenkt. Auch in den folgenden Kurzgeschichten wird man emotional sehr angesprochen. Ich empfehle sehr dieses Buch zu lesen.

 

Wertung

Cover/Gestaltung: 2/5
Schreibstil: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 3/5
Überraschungseffekte: 2/5
Tiefgang: 5/5
Lesetempo: 2/5
Punkte gesamt: 22/35

Gesamtwertung

4 Sterne
(4 Sterne)

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