Er ist wieder da – Timur Vermes

Die Reichsmark war kein Zahlungsmittel mehr, obgleich das von mir angestrebte Konzept, sie zur europaweit gültigen Währung zu erheben, offenbar von anderen verwirklicht worden war, vermutlich von irgendwelchen ahnungslosen Dilettanten aufseitens der Siegermächte. Forderungen wurden jedenfalls momentan in einer Kunstwährung namens „Euro“ beglichen, die freilich erwartungsgemäss von grössten Misstrauen begleitet wurde. Wer immer das veranlasst hatte, ich hätte es ihm gleich sagen können.
(Seite 35)

 

Er ist wieder da - Timur VermesInformationen
ISBN: 3-8479-0517-1
Verlag: Eichborn Verlag
Altersempfehlung: Ab 16
Format: Gebundene Ausgabe
Genre: Satire
Seitenzahl: 396 Seiten
Jahr: 2012
Preis: sFr. 29.90

 

Wie ihr bestimmt bemerkt habt, habe ich länger nichts mehr rezensiert und mein Rückblick für den Monat August fehlt auch noch. Es lief zur Zeit einfach furchtbar viel, sodass meine Rezensionen etwas warten mussten. Ich werde den Rückblick des Monats August dann zusammen mit dem Monat September verbinden und meine Rezensionen folgen noch – denn zum Lesen bin ich natürlich schon gekommen =)

So, aber jetzt zum Buch: „Er ist wieder da“ von Timur Vermes ist eines dieser Bücher, welches ich unbedingt haben wollte und dann aber stand es monatelang bei mir rum und ich habe immer einem anderen Buch den Vorzug gegeben.

Handlung und Charakteren

Es ist der 30. August 2011, als in Mitte Berlin, der 56-jährige Adolf Hitler erwacht in der Annehme, es sei das Jahr 1942. Doch irgendetwas scheint nicht zu stimmen, denn wo ist Eva? Und wo die Rechskanzlei? Und warum wird er von Jugendlichen so unverschämt mit „Allet klar, Meesta?“ angesprochen? Überhaupt scheint niemandem bewusst zu sein, wie man den Reichsführer respektvoll anzusprechen hat und alles ist irgendwie farbiger, die Gebäude alle restauriert, neu aufgebaut.. Da wird ihm gleich klar, dass irgendetwas nicht stimmen kann. Alles läuft ganz und gar falsch. So hätte sich Deutschland nie entwickeln dürfen.. Schon bald aber findet er sich in der neuen Welt zurecht und schmiedet bereits wieder Pläne…

Meine Meinung

Von Hitler in der Ich-Form zu lesen war gleichzeitig witzig, wie auch gewöhnungsbedürftig, denn sobald man mit jemandem die Gedanken teilt, fühlt man und sympathisiert man automatisch mit dieser Person. Doch wer möchte mit Adolf Hitler seine Zeit verbringen? Mit ihm denken und lachen? Und wer möchte schon mit ihm fühlen? Dieser Punkt empfand ich persönlich als etwas schwer. Adolf Hitler sollte einem nicht als so menschlich näher gebracht werden, sodass eventuell an dem Bild, welches man von ihm hat, gerütelt wird. Man muss mit dem Inhalt des Buches umgehen können.

Sehr kritisch wird in dieser Geschichte das heutige Menschenbild dargestellt – und bei jedem Punkt versteht man den Autor sofort. Die Handlung, das jemand – irgendjemand – aus den 30er/40er Jahre mit der heutigen Lebensweise und dem heutigen Fortschritt(?) konfrontiert wird, ist sehr spannend. Denn wenn man aus dem heutigen Alltag so offen liest wird einem auch einmal mehr bewusst, wieviel verloren gegangen ist. Von der Qualität der Artikel bis auch zu der Qualität des Kundenservices. Quantität steht vor Qualität und Einsparungen vor fairen Arbeitsverhältnissen.

Viele Personen aus dem Buch sind nicht wie die Handlung fiktiv, sondern kennt man aus dem Fernsehen, Magazinen oder Geschichtsbüchern. Um die einzelnen Pointen zu verstehen, muss man sich also etwas in der Weltgeschichte oder den Tratschkolumnen auskennen. Man kommt oft an Stellen, wo man denkt: „Oha, was kommt wohl noch?“..

Der Autor hat einen Schreibstil, der auch die vielleicht teilweise etwas trockenen, politischen Elemente interessant rüberbringen konnte. Und doch hat mich das Buch nicht so mitgerissen oder ausgefüllt, dass ich es als einziges Buch lesen konnte. So habe ich nebenbei immer einen weiteren Roman griffbereit gehabt.

Das Buchcover finde ich toll. Mir gefallen schwarz-weisse Cover immer gut, wie auch bei den Romanen von Simon Beckett. Bei „Er ist wieder da“ liegt ein schönes Exemplar vor mit aufdruck direkt auf dem Buchrücken und schwarzem Lesebändchen. Ein Roman, den man gerne im Regal stehen hat.

Fazit

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ich kann nicht wirklich sagen, ob man mit Hitler lachen sollte und das stimmt mich etwas unentschlossen. Der Schreibstil ist sehr gut; es ist sofort klar, dass für die Geschichte gut recherchiert wurde und doch, liest sich das Buch nicht allzu schnell. Ich las das „Er ist wieder da“ neben anderen Büchern, da mich dieses Buch nicht ausfüllte. Und doch gab es Stellen, wo ich wirklich lachen konnte und den Autor gut verstehen konnte – angefangen bei der Beschreibung der MediaMarkt-Zeitung bis hin zu den Reality-Shows auf RTL. Denn ja, so denken wir doch ehrlichgesagt manchmal auch, oder? Ich denke, die fantastische Idee dieses Buches ist die Handlung, das jemand – müsste nicht unbedingt Hitler sein – von den 30er/40er-Jahren, mit den Werten von damals, in der heutigen Zeit lebt.

Meine Meinung: Witzig, weltkritisch und lesenswert.

Wertung

Cover/Gestaltung: 4/5
Schreibstil: 3/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 2/5
Überraschungseffekte: 3.5/5
Tiefgang: 4.5/5
Lesetempo: 2/5
Punkte gesamt: 23/35

Gesamtwertung

4 Sterne
(4 Sterne)

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